In den letzten Tagen wurde bekannt, dass die Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl 2009 nicht gerade durch ihre Anwesenheit in den entsprechenden Gremien geglänzt hat. Die ursprünglichen Zahlen des Parlaments wurden zwar relativ schnell mit Berücksichtigung des Zeitraums, in dem Silvana Koch-Mehrin in Mutterschutz war, nach oben korrigiert. Das Problem ist jetzt, dass Frau Koch-Mehrin nicht auf die korrigierten Zahlen kommt.

Aus der Presseerklärung geht hervor, dass die korrekte Methode zur Berechnung die Addition der Mutterschutztage zu den Anwesenheitstagen sei und nicht die Subtraktion der Mutterschutztage von der Zahl der stattgefundenen Sitzungen. Alles nach den „Regularien des Europäischen Parlaments„. Diese habe ich zwar bis jetzt nicht finden können, aber das ist jetzt kein Vorwurf an die Politikerin, wenn auch eine Quellenangabe nicht geschadet hätte.

Es sei einmal dahingestellt, was die richtige Art ist, die Quote zu ermitteln. Was ist aber die sinnvolle Art? Erst einmal geht es hier um die Anwesenheit. Die Produktivität interessiert hier erst einmal nicht. Aber selbst wenn man für die Anwesenheit berücksichtigt, dass oben genannte Person in Mutterschutz war, was ich ihr keinesfalls verübeln möchte, so sollte „Anwesehneitszeit“ dennoch ausdrücken, dass man eine bestimmte Menge der möglichen Termine wahrgenommen hat. Führt man eine Größe mit der Bezeichnung „Anwesenheits- oder in-Mutterschutz-Befindlichkeit“ ein, bin ich der Erste (oder nach Frau Koch-Mehrin halt der Zweite), der auf die andere Art rechnen will. Aber so ist das ja witzlos.

Weiterhin verwendet man dieses Berechnungsverfahren wohl bei keiner anderen Gelegenheit. Der Spitzensportler kann sich ja  auch keine Goldmedallienquote verschönern, wenn er einmal nicht bei den Olympischen Spielen mitmachen kann. Und bei der Polizei wird nach dem Einstellen der Ermittlungen auch kein Häkchen bei „Hätten wir geschnappt, wenn wir weiter gemacht hätten“ gesetzt. Läuft auf folgendes raus: Hätte man ihr es zugetraut, dass Silvana Koch-Mehrin – hätte sie denn mehr Zeit gehabt – öfter an den Veranstaltungen teilgenommen hätte? Wohl kaum!

Um Unklarheiten aus dem Weg zu räumen entstand aus der Diskussion mit einem Kommilitonen vor einiger Zeit die Idee, bei Wahlen etwas wie eine „leere Liste“ einzuführen. Als für alle frustrierten Wahlberechtigten zum Ungültig-Wählen macht man sein Kreuzchen bei dieser Liste. Im Gegensatz zu den ungültigen Stimmen gehen die Stimmen hierfür jedoch sehrwohl in die Sitzverteilung des Parlaments ein. Proportional zu den Stimmen für die Liste wird nämlich das Parlament aus leeren Stühlen bestehen. Die gibt es zwar jetzt auch schon hin und wieder, aber im neuen Entwurf hat man zudem noch den Vorteil, dass der leere Stuhl keine Diäten erhalten will.